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Wenigstens 200 Menschen kamen am “Kampftag der Internationalen Arbeiter_innen Klasse” in Osnabrück zusammen, um unter dem Motto „Radical Peace Parade – gemeinsam kämpfen, lieben, feiern“ laut mit kraftvoller Musik auf die strukturelle Ungerechtigkeit in dieser Gesellschaft hinzuweisen, und zu erinnern dass wir eine menschenwürdigere Gesellschaftsordnung errichten können, wollen und müssen!
So wurden in Redebeiträgen Themen aufgegriffen wie ein bedingungsloses Grundeinkommen, das Flüchtlingslager Bramsche-Hesepe und das Lagersystem in Europa, Überwachung durch Staat und Wirtschaft, ein Autonomes Zentrum für Osnabrück, Die Elendsverwaltung und Herrschaftsabsicherung der Großkirchen, sowie die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer solchen Parade.
Als sich um kurz nach zwei der Zug vom HBf aus in Bewegung setzte, war die Lust zu spüren, auf der Straße miteinander Freude zu haben und sich diese Lebensfreude weder von der Witterung (1) noch von den gesellschaftlichen Widrigkeiten zerstören zu lassen. Freude und Zorn, der Spaß am Moment und der Mut zur Veränderung gehören zusammen!
Der Widerspruch, in so menschenunwürdigen Verhältnissen zu tanzen, wurde hier spürbar, besonders nach den klaren und nachdenklich stimmenden Worten der Reden.
Und doch kamen immer wieder und vor allem im migrantisch geprägten Arbeiterstadtteil Schinkel Menschen vom Straßenrand und aus ihren Häusern, tanzten, hörten zu und diskutierten mit. Auch aus der Demo gingen Menschen auf die ( noch) Ausstehenden zu, sprachen sie an, und vermittelten das Anliegen des bunte Treibens auch über ein kleines Flugblatt.
Die Polizei verwehrte der angemeldeten Demonstration die zuvor bewilligte Route mit der Begründung, die Zeit werde knapp, den es seien nur zwei Stunden vorgesehen. Die freie Meinungsäusserung im öffentlichen Raum hat in Deutschland einen strengen Stundenplan. Die Halbierung der Strecke hielt den Demonstrationszug aus dem Stadtzentrum fern, und minimierte so dessen Sichtbarkeit auch für die vielen Besucher_innen der ” Maiwoche” in Osnabrück. Die lustvoll zornigen Menschen nahmen sich aber den Raum und tanzten auf der Kreuzung des Berliner Platzes einfach weiter, nachdem die Demo aufgelöst worden war.
Erst eine Weile, nachdem die Vollstreckungsbeamten der Staatsgewalt der Musik den Saft ausgedreht hatten, tanzten die Rebellischen weiter zum räumlichen Endpunkt der Demo. Dort angekommen hörten sie in der Sonne den letzten Redebeiträgen zu und feierten mit Vokü und Musik bis in die Nacht hinein weiter. Auch wurden Filme zur Polizeigewalt am Beispiel Wuppertal gezeigt und eifrig diskutiert.
Diese dritte Mai-Parade in Osnabrück, wo Punks und Arbeiter_innen, Arbeitslose und Student_innen, Parteimitglieder und Autonome, Migrant_innen und Freaks aller Subkulturen zusammenkamen, macht Lust auf eine Vierte.
(1) Sommer in Osnabrück: Es wird wärmer, aber es regnet und hagelt weiter…
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