Ereignisbericht zum 1. Mai 2008 in Osnabrück

Wenigstens 200 Menschen kamen am “Kampftag der Internationalen Arbeiter_innen Klasse” in Osnabrück zusammen, um unter dem Motto „Radical Peace Parade – gemeinsam kämpfen, lieben, feiern“ laut mit kraftvoller Musik auf die strukturelle Ungerechtigkeit in dieser Gesellschaft hinzuweisen, und zu erinnern dass wir eine menschenwürdigere Gesellschaftsordnung errichten können, wollen und müssen!
So wurden in Redebeiträgen Themen aufgegriffen wie ein bedingungsloses Grundeinkommen, das Flüchtlingslager Bramsche-Hesepe und das Lagersystem in Europa, Überwachung durch Staat und Wirtschaft, ein Autonomes Zentrum für Osnabrück, Die Elendsverwaltung und Herrschaftsabsicherung der Großkirchen, sowie die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer solchen Parade.

 

Als sich um kurz nach zwei der Zug vom HBf aus in Bewegung setzte, war die Lust zu spüren, auf der Straße miteinander Freude zu haben und sich diese Lebensfreude weder von der Witterung (1) noch von den gesellschaftlichen Widrigkeiten zerstören zu lassen. Freude und Zorn, der Spaß am Moment und der Mut zur Veränderung gehören zusammen!
Der Widerspruch, in so menschenunwürdigen Verhältnissen zu tanzen, wurde hier spürbar, besonders nach den klaren und nachdenklich stimmenden Worten der Reden.
Und doch kamen immer wieder und vor allem im migrantisch geprägten Arbeiterstadtteil Schinkel Menschen vom Straßenrand und aus ihren Häusern, tanzten, hörten zu und diskutierten mit. Auch aus der Demo gingen Menschen auf die ( noch) Ausstehenden zu, sprachen sie an, und vermittelten das Anliegen des bunte Treibens auch über ein kleines Flugblatt.
Die Polizei verwehrte der angemeldeten Demonstration die zuvor bewilligte Route mit der Begründung, die Zeit werde knapp, den es seien nur zwei Stunden vorgesehen. Die freie Meinungsäusserung im öffentlichen Raum hat in Deutschland einen strengen Stundenplan. Die Halbierung der Strecke hielt den Demonstrationszug aus dem Stadtzentrum fern, und minimierte so dessen Sichtbarkeit auch für die vielen Besucher_innen der ” Maiwoche” in Osnabrück. Die lustvoll zornigen Menschen nahmen sich aber den Raum und tanzten auf der Kreuzung des Berliner Platzes einfach weiter, nachdem die Demo aufgelöst worden war.
Erst eine Weile, nachdem die Vollstreckungsbeamten der Staatsgewalt der Musik den Saft ausgedreht hatten, tanzten die Rebellischen weiter zum räumlichen Endpunkt der Demo. Dort angekommen hörten sie in der Sonne den letzten Redebeiträgen zu und feierten mit Vokü und Musik bis in die Nacht hinein weiter. Auch wurden Filme zur Polizeigewalt am Beispiel Wuppertal gezeigt und eifrig diskutiert.
Diese dritte Mai-Parade in Osnabrück, wo Punks und Arbeiter_innen, Arbeitslose und Student_innen, Parteimitglieder und Autonome, Migrant_innen und Freaks aller Subkulturen zusammenkamen, macht Lust auf eine Vierte.

(1) Sommer in Osnabrück: Es wird wärmer, aber es regnet und hagelt weiter…


Programm

Das Rahmenprogramm der 1.-Mai-Streetparade 2008 soll folgendermaßen aussehen:

14. 00
Wir treffen uns um 14.00 Uhr am Hauptbahnhof. Von dort wird sich die Parade in Bewegung setzen.

14.00 - 16.30
Während der Parade werden wir durch die Straßen von Osnabrück ziehen und die DJs des STAMMTISCHMORTALE werden uns dabei lautstark musikalisch  begleiten.

17.00
Danach werden wir am Café Mano Negra (Alte Münze 12) mit günstigem Essen und Getränken versorgt.

18.00
Im Café Mano Negra werden Filme der Antifaschistischen Videofilmreihe gezeigt.

Es wird weiter gefeiert! Die DJs des Stammtischmortale legen an der Alten Münze weiter auf, bis zum Einbruch der Dunkelheit darf hier getanzt werden.

Später soll die Party im Unikeller weitergehen.


Um was es in diesem Jahr geht - Redebeiträge und mehr.

Am 1. Mai 2008 findet zum dritten mal eine politische
Streetparade in Osnabrück statt.

Diesmal ist das Motto

„Radical Peace Parade – Gemeinsam kämpfen, lieben, feiern!“.

 

Start ist auch diesmal am 1. Mai um 14:00 Uhr am Hauptbahnhof. Mit dabei sind wiedermal verschiedenste Osnabrücker Gruppen und Einzelpersonen die an zwei Stationen Redebeiträge zum besten geben werden.

 

Die Themen der Redebeiträge sind in diesem Jahr unter Anderem:
- das Flüchtlingslager Bramsche-Hesepe
- Grundeinkommen
- Überwachung
- Kirche & Sozialabbau

- Ein AZ für Osnabrück

 

 

Zwischen den Stationen wird die Streetparade von den werten Menschen des Stammtischmortale musikalisch in Bewegung versetzt. Anschließend findet ein kleines aber feines Straßenfest mit Essen, Getränken, Filmen und mehr elektronischer Musik am Café Mano Negra (Alte Münze 12) statt.


Was machen wir hier überhaupt? - Infos für die Leute!

Die Osnabrücker 1.-Mai-Streetparade ist ein öffentliches Ereignis und mensch wird wissen wollen, was wir da eigentlich machen und warum wir feiernd und tanzend durch die Straßen ziehen und was wir uns davon erhoffen. Damit all die Menschen, die uns während der Streetparade über den Weg laufen, nicht einfach ratlos und kopfschüttelnd weitergehen, haben wir Handzettel vorbereitet, die wir ihnen in die Hand drücken werden:

 

gemeinsam kämpfen, lieben, feiern! - Radical-Peace-Parade - gemeinsam kämpfen lieben feiern!

WAS SOLL DENN DAS?

Du fragst Dich: “Was soll denn das? - Was wollen all diese Tanzenden in den Straßen von Osnabrück?”
Wir wollen an etwas erinnern und auf etwas verweisen - ein noch zu verwirklichendes Projekt, das uns unter den Nägeln brennt.

Seit den Anfängen der kapitalistischen Wirtschaftsweise brachten und bringen bis heute Arbeitsteilung, Rationalisierung und Automatisierung enormen gesellschaftlichen Reichtum hervor. Der Widerspruch, dass die Menschen , die den gesellschaftlichen Reichtum mit ihrer täglichen Arbeit produzierten, ungleich weniger an ihm teilhatten als die, die ihn als ihr Eigentum verwalten, brachte eine neue zutiefst ungerechte Gesellschaftsordnung hervor.

Es regten sich Versuche, die Frage der Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums auf breitere Füße zu stellen. Von Forderungen nach gerechtem Lohn und politischen Reformen bis hin zu Versuchen, eine demokratischere, politischere ökonomische Ordnung zu etablieren, formierte sich die Arbeiterbewegung. In diesen Kämpfen kam es am 1. Mai 1886 in Chicago zu einem mehrtägigen Streik der von der Polizei brutal nieder geschlagen und geschossen wurde.

Um diesen Ereignissen zu gedenken und als internationaler Tag für soziale und politische Kämpfe wurde der 1. Mai von da an der “„Kampftag der internationalen Arbeiterklasse“”. Heute ist diese ArbeiterInnenklasse längst keine präsente politische Macht mehr. Ihre früheren Organisationen haben ihr Gebiss an den Nagel gehängt und üben sich in sozialpartnerschaftlichem Stillhalten. Die ArbeiterInnen selber haben ihre Schäfchen mit Eigenheim und Mallorca-Urlaub ins Trockene gebracht. Die Welt ist zwar insgesamt reicher geworden, das hat jedoch nicht dazu geführt, dass dieser gigantische Reichtum allen zur Verfügung steht. Überall auf der Welt gibt es immer noch Menschen, die an diesem Reichtum nicht teilhaben können. Wer ein paar Krümel vom Kuchen will und nicht über Kapital verfügt, der muss lohnarbeiten. Die Menschen werden über die Lohnarbeit, von der ihre (soziale) Existenz abhängt, in Konkurrenz zueinander gesetzt. So wird ein alltäglicher Krieg Aller gegen Alle geschaffen. Dieser soziale Krieg wurzelt in der immer noch ungleichen Verteilung von Wohlstand, Macht und Entfaltungsmöglichkeiten.

Ein Radical Peace, also ein Frieden, der bis zur Wurzel reicht, ist nur möglich, wo diese Ungleichheit aufgehoben wird!
Wir sind heute hier auf der Straße, um laut mit heiterer Musik an das bitter Notwendige zu erinnern, ein längst noch nicht abgegoltenes Projekt! Das Projekt der ökonomischen-, sozialen-, und politischen Emanzipation der gesamten Menschheit, das von uns Menschen noch verwirklicht werden muss!
Aber wer wird das machen?
Wer wird die Welt verändern? – - Die, denen sie nicht gefällt!
Und gefällt es Dir in dieser Realität?

Nein?

Dann:
Let’´s get organized
for the soical revolution,
for a radical peace!


Und das steht drauf, auf den Flyern…

Radical Peace Parade - Gemeinsam kämpfen, lieben, feiern!

 

Der 1. Mai steht für eine lange Tradition des Widerstandes gegen Ausbeutung und Unterdrückung. An diesem Tag können wir solidarisch mit tausenden Menschen überall auf der Welt emanzipatorisch-politischen Protest auf die Straßen tragen. Das hat mit dem Tag der “nationalen Arbeit”, wie der 1. Mai ab 1933 von Nazis genannt wurde, nichts zu tun.

 

Gegen diese national-sozial verpackte Menschenfeindschaft der Arbeitslager feiern auf der 1.-Mai-Streetparade die Unangepassten, die Ausgeschlossenen und Überflüssigen, die Müßiggänger_innen, die Lebenskünstler_innen, die Rebell_innen den politischen Kampf für Emanzipation und Freiheit.

 

Es geht um:

 

  • Emanzipation von einer patriarchalen Gesellschaftsordnung, in der Frauen noch viel zu oft Anhängsel von Männern sind und sich so begreifen, zuständig für Hausarbeit und alles Reproduktive.
  • Emanzipation von Staaten, die Konflikte schüren wie unterdrücken und sich selbst und ihre Interessen souverän setzen, Ohnmacht erzeugen.
  • Emanzipation von der Konkurrenz in Ökonomie und im Alltag, wo Menschen auf Verwertbarkeit hin zugerichtet und verwaltet werden, die einer vernünftigen Gesellschaft im Wege steht.

Mit der 1.-Mai-Streetparade nehmen wir uns für ein paar Stunden den Raum, um unsere Wünsche, Bedürfnisse und politischen Inhalte gegen den faulen Frieden in die Öffentlichkeit zu tragen.

 

Heraus zur Radical-Peace-Parade!
Für ein gutes Leben für alle.

 


1. Mai 2008
14 Uhr Hauptbahnhof
Osnabrück

 

DJs: Stammtischmortale

 

Anschließend Fiesta mit Essen, Getränken, Film und Musik
an der Alten Münze 12
Café Mano Negra


Flyer und Plakate sind da!

Die Flyer und Plakate sind da und warten darauf an eure Freunde, Bekannte und an alle anderen Menschen verteilt zu werden. Wenn ihr uns helft, werden die Flyer und Plakate im Vorfeld an vielen Orten in und um Osnabrück zu sehen sein.

Flyer

Zu beziehen sind sie im Café Mano Negra (Alte Münze 12), welches Dienstags und Freitags jeweils von 14:30 bis 17:00 Uhr geöffnet ist. Wenn ihr nicht aus Osnabrück kommt und welche haben möchtet, schreibt uns einfach!


Filme nach der Streetparade

Folgende Filme werden nach der Streetparade
am 1. Mai im Café Mano Negra gezeigt:

 

Sie tun mir weh, Herr Wachtmeister + Dein Freund und Helfer + Nix passiert?

 

Medienprojekt Wuppertal, D 2007

 

Drei Kurzfilme über Polizeigewalt in Wuppertal. Die ersten zwei Clips dokumentieren mehrere Polizeiübergriffe, u.a. die gewaltsame Räumung eines Punkertreffens im Sommer 2007 und die darauf folgenden Gegenaktionen. Die Vorführung des Films unter freiem Himmel Sie tun mir weh, Herr Wachtmeister wurde vom Ordnungsamt der Stadt untersagt und durch Polizeiprügel verhindert. Gleichzeitig ließ der Oberbürgermeister die Ausstellung „Vom Polizeigriff zum Übergriff“ im städtischen Haus der Jugend schließen. Nix passiert? berichtet über einen Fall rassistischer Polizeigewalt. Die Untersuchung des Vorfalls auf die Anzeige des Opfers hin lief ins Leere.


1. Mai 2008 - Die Osnabrücker Streetparade geht in ihr drittes Jahr.

Auch 2008 schließen sich am 1. Mai - inzwischen im 3. Jahr - wieder die verschiedensten linken Gruppen und lokalen Musikgrößen zusammen. Gemeinsam wollen wir KÄMPFEN, LIEBEN und FEIERN, um die Verhältnisse zum Tanzen zu bringen. Mit dabei ist diesmal der Stammtisch Mortale, als eine Osnabrücker Kooperative von DJs und DJanes.
Wir werden euch hier wie immer über die Vorbereitung der Streetparade und über die Hintergründe auf dem Laufenden halten.


Veranstaltungstipp: GALA GALORE No. 7

Am Samstag, den 19.04.08 ist es wieder soweit.

Zum siebten Mal wird die Gala Galore ihre Pforten öffnen. Das Lineup soll zwischen, Elektronik, Schrabbelgitarren, Anspruch, Melodien, Entertainment, Kunst, lokalen Bezügen, Tanzbarkeit und Schönheit pendeln. und auf “zwei Bühnen, viele Acts, 666 mal tanzen, zu Lebensgefühlen zwischen elektronik und indie, zwischen tanzen und genießen, zwischen Kopfschütteln und Kopfnicken” bieten. Es wird wieder sehr ausgeglichen und vielseitig seitig sein.

Ich will hier gar nicht mehr Worte verschwenden - Hingehen!

Weitere Infos unter:

Westwerk

Gala Galore Festival